Tabak lauge ist unter Hobbygärtnern ein Begriff, der oft fällt, wenn es um die Bekämpfung von hartnäckigen Schädlingen wie Blattläusen geht. Dieses traditionelle Hausmittel nutzt das im Tabak enthaltene Nervengift Nikotin, um Insekten abzutöten. Doch so effektiv es klingen mag, so umstritten ist seine Anwendung heute. In diesem Artikel beleuchten wir die Wirkung, die Herstellung und vor allem die erheblichen Risiken dieses Suds.
Was ist Tabak lauge eigentlich?
Bei einer Tabak lauge (oft auch Tabaksud genannt) handelt es sich um einen wässrigen Auszug aus Tabakresten, Zigarettenstummeln oder losem Drehtabak. Das Ziel ist es, das Nikotin aus den Pflanzenfasern zu lösen. Nikotin ist ein hochwirksames Insektizid, das als Kontakt- und Fraßgift wirkt.
Die Wirkungsweise auf Schädlinge
Trifft die Tabak lauge auf Insekten wie:
- Blattläuse
- Weiße Fliegen
- Spinnmilben
führt das enthaltene Nikotin zu einer Übererregung des Nervensystems, was Lähmungen und schließlich den Tod des Schädlings zur Folge hat. Aufgrund dieser drastischen Wirkung wurde Nikotin früher auch in der kommerziellen Landwirtschaft eingesetzt.
Herstellung und Anwendung (Historischer Kontext)
Hinweis: Wir beschreiben hier das Vorgehen zur Information, raten jedoch aufgrund der unten genannten Risiken von der Nachahmung ab.
Klassischerweise werden für die Herstellung etwa 50 Gramm Tabak in einem Liter Wasser aufgekocht oder über mehrere Tage eingeweicht. Die entstehende braune Flüssigkeit ist die konzentrierte Tabak lauge. Diese wurde dann verdünnt auf die befallenen Pflanzen gesprüht.
Wichtig: Nikotin wird auch über die Haut aufgenommen. Schon beim Hantieren mit dem Sud besteht für den Gärtner eine Vergiftungsgefahr, wenn keine Schutzkleidung getragen wird.
Warum Tabak lauge gefährlich und problematisch ist
Trotz der starken Wirkung gegen Schädlinge gibt es massive Gründe, warum Sie heute auf Tabak lauge verzichten sollten.
1. Hohe Toxizität für Nützlinge
Das Problem bei der Anwendung ist die fehlende Selektivität. Die Lauge tötet nicht nur Schädlinge, sondern auch Bienen, Marienkäfer und Schwebfliegen. Ein Einsatz im blühenden Garten kann somit ganze Bienenvölker gefährden.
2. Gesundheitsgefahr für Menschen und Haustiere
Nikotin ist ein starkes Nervengift. Rückstände auf Gemüse oder Obst können beim Verzehr zu Übelkeit und Vergiftungserscheinungen führen. Auch für Haustiere, die an behandelten Pflanzen schnuppern, ist Tabak lauge riskant.
3. Rechtliche Situation
In vielen Ländern, darunter auch in der EU, ist der Einsatz von nikotinhaltigen Pflanzenschutzmitteln mittlerweile verboten. Selbstgemachte Sude befinden sich oft in einer rechtlichen Grauzone, verstoßen aber häufig gegen das Pflanzenschutzgesetz, da nur zugelassene Mittel ausgebracht werden dürfen.
Sinnvolle Alternativen zur Tabak lauge
Statt zur giftigen Tabak lauge zu greifen, sollten Sie auf moderne und umweltfreundliche Methoden setzen:
- Neemöl: Ein natürliches Mittel, das den Hormonhaushalt der Insekten stört.
- Schmierseifenlösung: Wirksam gegen Blattläuse und ungiftig für Menschen.
- Nützlinge: Der Einsatz von Marienkäferlarven oder Florfliegen ist die biologischste Form der Bekämpfung.
- Brennnesselsud: Stärkt die Pflanzen und wirkt leicht abschreckend, ohne die Umwelt zu belasten.