Bims ist weitaus mehr als nur ein rauer Stein für die Fußpflege. In der Welt der Geologie und der Baustoffe nimmt dieses vulkanische Gestein eine Sonderstellung ein. Besonders die Eigenschaft, dass man Bims schwimmend im Wasser vorfindet, fasziniert Wissenschaftler und Laien gleichermaßen. Doch wie kommt es zu diesem Phänomen und welche praktischen Anwendungen ergeben sich daraus?
Die geologische Entstehung
Bimsstein (oder kurz Bims) ist ein sehr helles, hochporöses vulkanisches Glas. Es entsteht bei gasreichen Vulkanausbrüchen, wenn zähflüssige Lava explosionsartig in die Luft geschleudert wird. Durch den rapiden Druckabfall entgasen die in der Lava gelösten Stoffe (wie Wasserdampf und Kohlendioxid) schlagartig und blähen das Gestein auf – ähnlich wie bei der Öffnung einer geschüttelten Sektflasche. Die Lava erstarrt so schnell, dass die Blasenstruktur erhalten bleibt.
Warum bleibt Bims schwimmend?
Die signifikanteste Eigenschaft ist die extrem geringe Dichte. Während massives Gestein sofort untergeht, ist die Dichte von Bims oft kleiner als die von Wasser (1 g/cm³). Das liegt an den unzähligen geschlossenen Poren, die Luft einschließen.
- Porenvolumen: Bis zu 85 % des Gesteins können aus Luftporen bestehen.
- Dichte: Rohdichte liegt oft zwischen 0,3 und 0,8 g/cm³.
- Struktur: Glasartig und amorph, ohne Kristallbildung.
Wenn man ein Stück Bims schwimmend auf einem See beobachtet, sieht man Physik in Aktion: Die eingeschlossene Luft sorgt für den Auftrieb. Allerdings saugt sich Bims mit der Zeit voll Wasser und kann nach langer Dauer (Wochen bis Jahre) absinken, wenn die Porenstruktur dies zulässt.
Vielseitige Verwendungsmöglichkeiten
Die Tatsache, dass Bims so leicht und porös ist, macht ihn nicht nur zu einem Kuriosum, sondern zu einem wertvollen Rohstoff.
1. Im Gartenbau und der Hydrokultur
Gärtner schätzen Bims als ideales Substrat. Da das Material Wasser speichern kann, ohne zu vernässen, und gleichzeitig für eine gute Belüftung der Wurzeln sorgt, wird es oft Blumenerden beigemischt. In der Hydrokultur nutzen Pflanzenliebhaber speziellen Bims schwimmend als Drainage oder Pflanzgranulat, da er nicht verrottet.
2. Als Baustoff (Leichtbeton)
In der Bauindustrie ist Bims ein Gigant. Er wird zur Herstellung von Leichtbetonsteinen verwendet. Diese Steine bieten eine hervorragende Wärmedämmung. Ein Haus aus Bims-Leichtbeton ist quasi von Natur aus gedämmt. Die leichte Verarbeitung und das geringe Gewicht reduzieren zudem die statische Belastung.
3. Kosmetik und Textilindustrie
Jeder kennt den Bimsstein im Badezimmer zur Entfernung von Hornhaut. Aber auch in der Textilindustrie spielt er eine Rolle: Beim "Stone-Washing" von Jeans werden Bimssteine in die Waschtrommeln gegeben, um den beliebten Used-Look zu erzeugen.
Bims vs. Lava-Gestein
Oft werden Bims und normale Lava verwechselt. Der Unterschied liegt in der Dichte. Während Lava meist schwerer ist und sofort sinkt, bleibt hochwertiger Bims schwimmend. Beide sind vulkanischen Ursprungs, aber nur der Bims hat diese extrem aufgeschäumte Struktur, die ihn zu einem der leichtesten Gesteine der Erde macht.
Wissenswert: Nach großen Vulkanausbrüchen im Pazifik wurden schon riesige "Bimsstein-Flöße" beobachtet, die monatelang auf dem Ozean trieben und sogar Tiere und Pflanzen über weite Strecken transportierten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Natur mit Bims einen Werkstoff geschaffen hat, der Effizienz (geringes Gewicht) mit Funktionalität (Dämmung, Wasserspeicherung) perfekt verbindet.